Wenn Klientinnen und Klienten zum ersten Mal in eine hundgestützte Sitzung kommen, fragen sie oft das Gleiche: „Und wer arbeitet heute mit?" Diese Frage ist berechtigt – denn Jim und Pepper sind nicht austauschbar. Sie sind zwei Persönlichkeiten, zwei Tagesformen, zwei Stärken. Welcher Hund zu welchem Setting passt, entscheide ich vorher sorgfältig. Manchmal arbeiten wir auch zu dritt.
Was einen Therapiehund ausmacht
Bevor ich von den beiden erzähle, ein paar Worte zur Frage, was einen Therapiehund überhaupt qualifiziert. Nicht jeder Hund eignet sich für diese Arbeit – und das ist gut so. Erforderlich sind bestimmte Wesenseigenschaften, die teilweise angeboren, teilweise durch Sozialisation gefördert werden:
- Eine hohe Reizschwelle: Der Hund lässt sich nicht leicht aus der Ruhe bringen.
- Menschenfreundlichkeit: Er sucht Kontakt zu Menschen, auch zu Fremden.
- Geringe Aggressionsbereitschaft: Konflikte werden mit Distanz, nicht mit Angriff gelöst.
- Entspannungsfähigkeit in fremder Umgebung: Der Hund kann in neuen Situationen zur Ruhe finden.
- Stabile Bindung zum Halter: Auch in stressigen Momenten orientiert er sich an mir.
- Solider Grundgehorsam: Die Basis-Signale funktionieren zuverlässig.
Die Rasse ist dabei weniger entscheidend als das individuelle Wesen. Es gibt großartige Therapiehunde unter Labradoren, Golden Retrievern, Pudeln, Pinschern, Mischlingen – und es gibt Hunde derselben Rassen, die für diese Arbeit überhaupt nicht geeignet sind.
Unsere Ausbildung
Die Ausbildung zum Therapiehundeteam umfasst sowohl den Hund als auch den Menschen. Die einzelnen Module bei uns waren:
- THT – Basisausbildung mit Erste-Hilfe-Kurs für Mensch und Hund
- TH1 – Arbeit mit Senioren
- TH2 – Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
- TH2/HuPäsch – Arbeit in der Pädagogik (Schulhund, Lesehund)
- TH3 – Arbeit mit Menschen mit Behinderung
Wir trainieren nicht einmal – wir trainieren laufend. Therapiehundearbeit erfordert ständige Pflege der Beziehung, Auffrischung von Signalen, Erweiterung der Erfahrungen. Das ist Teil meines Berufslebens und gleichzeitig eine schöne Konstante.
Jim – der ruhige Pol
Jim ist seit 2015 bei mir. Er ist der ruhige, gelassene Hund des Teams. Wer Jim begegnet, spürt sofort: Hier ist jemand, der in sich ruht. Diese Gelassenheit ist nicht antrainiert – sie gehört zu seinem Wesen. Mein Job ist es, ihr Raum zu geben und sie nicht zu untergraben.
Jim ist besonders wertvoll bei:
- Ängstlichen Klient:innen, etwa bei Kynophobie
- Menschen mit Demenz, die durch ihn nicht überfordert werden
- Hochsensiblen Personen, die auf jede Energie reagieren
- Menschen im autistischen Spektrum, denen seine Vorhersehbarkeit gut tut
- Senioren-Einrichtungen, in denen Ruhe das wichtigste Geschenk ist
Jim ist gegenüber Fremden zurückhaltend. Das ist kein Mangel – das ist eine Qualität. Wer ihm Zeit gibt, gewinnt einen verlässlichen Partner. Wer auf schnelles Anschmiegen hofft, sollte sich für jemand anderen entscheiden.
Pepper – das Energiebündel
Pepper ist deutlich jünger als Jim und bringt eine ganz andere Qualität mit: Energie, Verspieltheit, Aufmerksamkeit. Sie ist neugierig, kontaktfreudig und eine echte Türöffnerin in Settings, in denen es Aufmerksamkeit braucht.
Pepper passt besonders zu:
- Kindern und Jugendlichen, die sich mit ihr identifizieren
- Teams, die durch ihre Präsenz Bewegung in den Raum bekommen
- Business-Coachings mit aktiveren, beweglichen Formaten
- Naturcoachings, in denen sie ein wunderbarer Spaziergangs-Begleiter ist
Auch Pepper braucht ihre Ruhephasen – sie ist energetisch, aber nicht unbegrenzt belastbar. Wir achten genau darauf, dass sie nicht überarbeitet wird, gerade weil sie scheinbar immer kann.
Wie ich entscheide, wer arbeitet
Vor jedem Termin schaue ich:
- Wer sind die Menschen, mit denen wir arbeiten?
- Welches Thema steht im Raum?
- Welches Format ist geplant – ruhig oder bewegt?
- Was war die letzte Einsatzzeit des jeweiligen Hundes?
- Wie ist die Tagesform – meine und die des Hundes?
Diese Entscheidung passiert sorgfältig, weil sie das Ergebnis beeinflusst. Ein passender Hund kann viel bewirken; ein unpassender wirkt nicht – egal wie gut die Coach-Arbeit ist.
Das Wohl der Hunde
Eine Sache ist nicht verhandelbar: Das Wohl der Hunde geht immer vor. Begrenzte Einsatzzeiten, ausreichende Ruhephasen, regelmäßige tierärztliche Untersuchungen, das aufmerksame Beobachten von Stresssignalen, die Möglichkeit für den Hund, sich jederzeit zurückzuziehen – all das ist nicht „nett", sondern Pflicht. Zeigt ein Hund Anzeichen von Stress, beenden oder unterbrechen wir die Einheit. Ohne Diskussion.
Das ist nicht nur ethisch geboten – es ist auch fachlich notwendig. Ein gestresster Hund kann nicht als Co-Coach arbeiten. Ein gut versorgter, freudiger Hund schon.
Schreiben Sie mir einfach. Im Erstgespräch besprechen wir, welcher Hund zu Ihrem Anliegen passt – und ob hundgestützt überhaupt das richtige Format für Sie ist. Manchmal entscheiden wir uns gemeinsam dafür, dass klassisches Coaching besser passt. Auch das ist ein gutes Ergebnis.