Es gibt eine Beobachtung aus Teamworkshops, die ich nie vergessen werde. Eine Gruppe von acht Menschen, alle erfahren, alle Profis, sollte gemeinsam eine einfache Aufgabe mit dem Hund lösen. Innerhalb von zehn Minuten zeigte sich alles, was im Arbeitsalltag des Teams schief lief – ohne dass jemand auch nur ein Wort darüber gesagt hatte.

Warum Teamdynamiken so schwer zu besprechen sind

In jedem Team gibt es offizielle und inoffizielle Strukturen. Es gibt formale Hierarchien und gefühlte Hierarchien. Es gibt Menschen, die viel reden, und solche, die viel wissen, aber wenig sagen. Es gibt Bündnisse, Reibereien, gegenseitige Bewunderung und gegenseitige Vorsicht. Das alles ist normal. Es zu benennen, ist allerdings schwer.

Im klassischen Teamworkshop arbeiten wir mit Feedback-Runden, mit Fragebögen, mit Aufstellungen. Das funktioniert – aber es kostet Vertrauen. Solange Menschen das Gefühl haben, dass das, was sie sagen, gegen sie verwendet werden könnte, halten sie sich zurück. Das ist klug und nachvollziehbar. Es ist aber auch der Grund, warum viele Teamworkshops an der Oberfläche bleiben.

Der Hund macht Teamdynamiken sichtbar und besprechbar, ohne dass einzelne Teammitglieder sich persönlich angegriffen fühlen – schließlich geht es ja um den Umgang mit dem Hund.

Wie der Hund das ändert

Sobald ein Therapiehund mit ins Spiel kommt, ändert sich etwas. Die Aufgabe ist plötzlich „extern" – sie hat nichts direkt mit der Arbeit des Teams zu tun. Das nimmt die persönliche Anspannung heraus. Und genau dann zeigt sich, wer im Team wie funktioniert.

Beobachtungen, die in solchen Settings immer wiederkehren:

  • Wer übernimmt sofort Führung – und wer wartet ab?
  • Wer fragt nach, wer handelt zuerst?
  • Wer spricht in der Gruppe, wer flüstert dem Nachbarn zu?
  • Wer geht in Konkurrenz, wer kooperiert?
  • Wer sieht den Hund, wer ist nur auf die Lösung fixiert?
  • Welche Stimmen werden gehört, welche werden übergangen?

All das passiert in Minuten. Und es passiert nicht in einer abstrakten Reflexionsrunde, sondern in einer konkreten, körperlichen Situation, in der niemand „performen" muss.

Vom Erleben zur Reflexion

Nach der Übung setzen wir uns. Und jetzt beginnt die eigentliche Coaching-Arbeit. Ich frage: „Was haben Sie beobachtet?" Manchmal kommen die Antworten zögerlich, manchmal sprudelnd. Aber sie kommen. Weil das, was geschehen ist, gemeinsam erlebt wurde – und weil es um den Hund ging, fühlt sich niemand bloßgestellt.

Dann frage ich: „Erkennen Sie das wieder?" Und meist nicken alle. Ja, so läuft das auch sonst. Diese Person übernimmt immer sofort. Diese andere zieht sich immer leise zurück. Wir reden immer aneinander vorbei, wenn es eng wird. Das, was die Hundeübung an die Oberfläche gebracht hat, ist meistens nichts Neues – es war nur bisher schwer zu benennen.

Was dann möglich wird

Wenn ein Team einmal an einer gemeinsamen, neutralen Situation seine eigenen Muster gesehen hat, beginnt eine andere Art des Gesprächs. Es wird weniger verteidigt und mehr beobachtet. Es wird weniger angegriffen und mehr gefragt. „Was bräuchte ich, damit ich beim nächsten Mal früher etwas sage?" Solche Sätze hört man.

Aus der gemeinsamen Erfahrung lassen sich konkrete Verabredungen ableiten. Manchmal sind das Kleinigkeiten – „bei dem Punkt warten wir bewusst, bis die Quietschen sich gemeldet haben" – manchmal sind es größere Themen, an denen ein Team monatelang weiterarbeitet. Aber das Wichtigste ist: Der Boden ist gelegt.

Was die Hunde davon haben

Auch das gehört zur Ehrlichkeit dieses Beitrags: Teamcoaching ist für die Hunde anstrengend. Acht oder zehn fremde Menschen, viele Emotionen, manchmal Trubel. Jim arbeitet in solchen Settings nur kurze Einheiten, mit klaren Pausen. Pepper – jünger und energetischer – schafft etwas mehr, braucht aber ebenfalls ihre Rückzugszeiten. Das Wohl der Hunde geht immer vor. Wenn ein Hund Stresssignale zeigt, beenden wir die Einheit – ohne Diskussion.

Das macht diese Arbeit aufwendiger als ein Standard-Workshop. Aber es macht sie auch zu dem, was sie ist: einer Arbeit, die etwas zeigt, was sonst verborgen bliebe.

Format

Teamcoachings mit Hund finden in der Regel als halbe Tage oder ganze Tage statt. Gruppengröße: 4–15 Personen. Geeignet für Führungsteams, Projektgruppen, neu zusammengestellte Teams oder Teams in spürbarer Veränderung.

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Claudia Schmenger Systemischer Business Coach · Therapiehundeteam